Im Dürener Gesundheitsmagazin haben wir zuckersüße Fragen gestellt an Christine Wisniewski, Oberärztin der Gastroenterologie am Krankenhaus Düren, Fachärztin für Innere Medizin und Diabetologin DGG:

1.)       Ist Zucker lebensnotwendig? Nein! Obwohl unser Gehirn 110 bis 130 Gramm Glucose pro Tag braucht, ist Zucker nicht notwendig. Der Bedarf kann durch „gesunde“ Kohlenhydrate, beispielsweise aus Vollkornprodukten, genauso gedeckt werden.

2)        Kann man durch zu viel Süßes Diabetes bekommen? Ja! Auch wenn nicht jeder, der viele Süßigkeiten isst, zwingend einen Diabetes mellitus bekommt. Die aktuelle Datenlage spricht eher für einen indirekten Einfluss. Übergewicht durch Zuckerkonsum und die damit entstehende Insulinresistenz scheinen der entscheidende Risikofaktor zu sein. Eine Schlüsselrolle könnten Getränke mit Zucker sein. Frauen mit einem Konsum von wenigstens einer Dose eines solchen Getränks pro Tag hatten ein um 83 Prozent höheres Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

3)        Was passiert mit der Darmflora, wenn wir viel Zucker essen? Es gibt Studien, die eine deutliche Veränderung der Darmflora durch vermehrten Zuckerkonsum zeigen. Aber Achtung: Die Forschung zeigt auch, dass der Verzehr von künstlichen Süßstoffen wie Saccharin, Sucralose oder Aspartam ebenso eine Veränderung der Darmflora bewirkt und eine gestörte Glucosetoleranz zur Folge hat.

4)        Zuckersüchtig – gibt es das? Die Existenz von Zuckersucht ist in der Wissenschaft umstritten. Es existieren derzeit etwa 160 Studien, die einen Zusammenhang von Zuckerkonsum und Suchterscheinung untersuchen. Die Ergebnisse wurden zum großen Teil in Experimenten mit Ratten gewonnen. Der Konsum von Zucker aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn über Botenstoffe (Stichwort Dopamin) und kann somit ein suchtähnliches Verhalten provozieren. Schon Babys reagieren in der Regel auf zuckerhaltige Flüssigkeiten mit einem Lächeln.

5)        Worauf sollte man gerade bei der Ernährung von Kindern achten? Dies ist eine Frage, die schwer kurz und knapp zu beantworten ist. Grundsätzlich ist natürlich eine abwechslungsreiche und vollwertige Mischkost zu empfehlen. In der Kindheit wird das Ernährungsverhalten wesentlich geprägt und es werden die Weichen für einen gesunden Lebensstil im Erwachsenenalter gestellt.

6)        Gibt es einen Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Darmkrebs? Starkes Übergewicht gilt schon lange als Risikofaktor für Darmkrebs. Eine aktuelle Studie vermutet ebenfalls einen Einfluss des Blutzuckerspiegels und eine kontinuierliche Gewichtszunahme als mitentscheidende Faktoren. Gesichert sind diese Erkenntnisse jedoch nicht.

7)        Traubenzucker soll kurzfristig dem Hirn auf die Sprünge helfen. Aber wie sieht es mit den Langzeitfolgen von Zuckergenuss aus? Es ist richtig, dass die Glucose im Traubenzucker für den Körper und auch für das Gehirn schnell verfügbar ist. Aber: Ein dauerhafter Zuckerkonsum begünstigt Übergewicht, Diabetes mellitus bzw. Glucoseintoleranz. Und er kann die Entstehung von Depressionen fördern und die Lern- und Gedächtnisleistung vermindern.

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