Harnsteine können eine schmerzhafte Angelegenheit sein. Ihre Entfernung glich lange Zeit dem Versuch, einen Elefanten durch ein Nadelöhr zu bekommen. Denn während der Harnleiter oft nur ein bis zwei Millimeter im Querschnitt misst, bringen es die Steine schon einmal auf einen Zentimeter oder mehr. „Früher wurde in solchen Fällen offen operiert“, blickt Privatdozent Dr. Christof Börgermann, Chefarzt der Urologie im Krankenhaus Düren, zurück. Heute gibt es neue Optionen in der Urologie. Jetzt gehen die Ärzte mit dem Laser auf „Steinejagd“. Das Nonplusultra der Lasertechnik ist dabei das Holmium- und Thulium-Lasersystem, das im Krankenhaus Düren zum Einsatz kommt.

Die sogenannte Stoßwellentherapie war in der Vergangenheit ein technischer Fortschritt, der vor allem Entlastung für Patienten brachte, da nicht mehr offen operiert werden musste. Mit Ultraschallwellen werden die Harnsteine, wie mit einem unsichtbaren Presslufthammer, bearbeitet und auseinandergebrochen. Aus einem großen Stein werden 40 kleine, die dann minimalinvasiv durch den Harnleiter hinausgezogen werden können. Der Nachteil: Die Anzahl der benötigten Sitzungen ist hoch, das Zerbröseln nicht exakt zu kontrollieren. Zudem sind die verwendeten Instrumente starr und nur wenig beweglich, schwer zugängliche Stellen sind nur schwer bis gar nicht zu erreichen.

Ganz anders sieht der minimalinvasive Einsatz mit dem Holmium-Laser auf. Da Lichtwellen nicht auf mechanische Kraftübertragung angewiesen sind, sind die Instrumente dank der Laserfasern deutlich kleiner, flexibler und wendiger. Die Kamera, das Auge des Urologen, ist nur noch ein winziger Elektronik-Chip in der Spitze des Instruments. Je nach Größe und Art des Steins schafft der Laser eine Zertrümmerung des Harnsteins in einem Bruchteil von Sekunden. Der Urologe schiebt die Instrumente durch den Harnleiter behutsam zu ihrem Einsatzort und nutzt somit natürliche Körperöffnungen. Die Harnsteine werden dabei so stark pulverisiert, dass sie als Staub ausgeschieden werden.

„Die offene Chirurgie ist beinahe ausgestorben und von einst 400 Interventionen bei der Stoßwellentherapie reden wir heute nur noch über 100“, fasst Chefarzt Dr. Börgermann die Entwicklungen zusammen. In Zukunft wird die Lasertechnik noch leistungsfähiger, werden die Instrumente noch feiner und die Behandlung noch schonender sein, ist er überzeugt.

Während der Holmium-Laser mit gepulstem Licht arbeitet, das die Zertrümmerung von Harnsteinen ermöglicht, kommt beim Thulium-Laser eine gleichförmige Lichtwelle zum Einsatz, die sehr saubere und präzise Schnitte durchführen kann. Das spielt beispielsweise in der Prostata-Chirurgie eine zentrale Rolle. „Wir können die Prostata mit dem Laser verkleinern und schälen und zugleich Gewebe für pathologische Untersuchungen entnehmen“, erklärt Dr. Börgermann. Der Laser versiegelt die Wunden sofort und ermöglicht Eingriffe bei Menschen, die konventionell nicht operiert werden könnten, beispielsweise Bluter und Herzkranke.

Mithilfe des Lasers lassen sich sogar Nierentumore zielgenau ausschälen und entfernen. „Früher ist oft die ganze Niere entfernt worden. In mehr als drei Viertel der Fälle bleibt die Niere heute zum Teil erhalten und funktionstüchtig“, nennt Dr. Breuer weitere Vorteile der modernen Lasertechnik.

Die Expertise der beiden Dürener Mediziner ist gefragt: Priv.-Doz. Dr. Christof Börgermann ist als Auditor der Deutschen Krebsgesellschaft für die Zertifizierung von Prostatakarzinomzentren bundesweit unterwegs. Dr. Guido Breuer gehört zu den wenigen Experten, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz überprüfen, ob einer Klinik der Titel „Interdisziplinäres Kontinenz- und Beckenbodenzentrum“ (IKBZ) zugestanden werden kann.

Foto: Christoph Lammertz, Krankenhaus Düren